Stresemann - Erstes Kapitel

Was prägte Stresemann (S) in seinen ersten Jahren bis zum Studium?
S's Eltern waren nicht sehr vermögend, aber doch ausreichend, um ihm den Besuch der höheren Schule zu ermöglichen. Er kam aus einem typisch kleinbürgerlichen Gepräge, seine Eltern hatten keine ausgeprägten Bildungsinteressen, zeigten kein politisches Engagement. S wuchs wie ein Einzelkind auf. Er musste später die Erbstreitigkeiten zwischen den Geschwistern schlichten. Insgesamt prägten ihn drückende, traurige Familienverhältnisse, denkt man nicht zuletzt daran, dass sein Bruder an Alkoholismus starb. Seine Schule zeichnete sich durch Disziplin und eine ausgeprägte Arbeitsatmosphäre aus. S war begabt, aber nicht sehr lerneifrig. Er galt als verträumt, aber dennoch zielstrebig. Durch den Konfirmandenunterricht bekam er starke religiöse Anregungen. Er war für ein freies, liberales Christentum. Was ihn weiterhin prägte, waren die Zurückweisung seiner Jugendliebe und eine Schilddrüsendysfunktion aufgrund derer er die Reifeprüfung nicht mit seinen Kameraden ablegen konnte. S studierte Geschichte und Literatur mit dem Schwerpunkt Nationalökonomie. Er trat in die Reformburschenschaft "Neo-Germania" ein und war ihr Sprecher. Des weiteren schrieb er anonym in der "Allgmeinen Deutschen Universitätszeitung". Für ihn galt das Kaiserreich als die gegebene und selstverständliche Grundlage des politischen Handelns. Er war ein überzeugter Liberaler mit einer optimistischen Weltansicht.

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