Stresemann - Viertes Kapitel
Warum
wird Stresemann zum Vernunftrepublikaner? Was ist
darunter zu verstehen?
Geboren
in einer Zeit, in der die Monarchie unter der
Regierung von Kaiser Wilhelm II herrschte, war die
Vorstellung von einer anderen Art von Organisation
innerhalb des deutschen Reiches sehr schwierig für
einen Bürger und Politiker wie Stresemann. Nachdem
sich die Republik langsam als einzige und auch am
besten geeignete Staatsform erkennen lies, hing er
immer noch an der schon hinter sich gelassenen
Monarchie und schickte dem geehrten Kaiser ein
Telegramm, um ihm zu seinem Geburtstag zu
gratulieren, was aber nicht die Oposition zur
Republik bedeutete, wie es einige Mitglieder der DVP
(Deutsche Volkspartei) und andere empfanden.
Stresemann war und blieb von Anfang an bis zu seinem
Tod ein wahrhafter Monarchist, aber es kam ungefähr
im Jahre 1918 zu einem Wendepunkt, bei dem die
wichtige Entscheidung, die Republik als Lösung zu
akzeptieren, der Mittelpunkt wurde. In seinen
ausgezeichneten und von vielen bewunderten Reden -
seit seiner Jugend hatte er diese Gabe - stützte er
diesen Gedanken, da er durchaus glaubte, die Liebe
zum deutschen Volk und Reich wäre größer als die zur
Monarchie. Nichtdestotrotz lag ihm die Monarchie
am Herzen und er bekannte sich dazu auch in der
Öffentlichkeit. Zum Vernunftrepublikaner wurde er,
weil es für das Reich der einzig mögliche Weg und
ebenfalls, wie schon der Begriff an sich sagt, der
vernünftigste, das heißt der logischste
war.